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Das Jahr 651

 

Dies sind die Aufzeichnungen von Guntram von Westerhold.
Der Guntram, der einst unter dem Namen Guntram Holwin bekannt war. Bevor der Krieg über uns kam…

Die Truppen des Chaos sind vernichtet worden.
Nachdem sie vor über 10 Jahren die Steppe von Ormond überrannt haben, konnten sie nun gemeinsam mit dem Großteil der Reichstruppen und den Elfen vernichtend geschlagen werden.
Vor einem Jahr befehligte ich eine Abteilung Bogenschützen im Gefecht und der gefiederte Tod fand reichlich Ernte unter den Horden des Chaos. Tagelang warteten wir durch ein Meer von Blut. Ein nicht enden wollender Strom von Chaoskämpfern strömte aus dem Osten herbei.
Zuerst versuchten sie einen Frontalangriff, der aber durch die kaiserlichen Armbrust- und Bogenschützen abgewehrt werden konnte.
Nach zwei Tagen formierten sie sich neu und begannen die Flanken zu attackieren. Ich stand mit meinen maldoranischen Langbogenschützen an einer Anhöhe, die vor uns mit Infanteriekämpfern gesichert wurde. Wir verdunkelten den Himmel mit unseren Pfeilen, aber der Feind war übermächtig. So schien es zumindest. Am dritten Tag wurden unsere Verluste durch Reservetruppen aufgefüllt, aber die Reihen lichteten sich weiter und der Vorrat an Pfeilen verschwand zusehends.
Am Morgen des fünften Tages erschienen marturische Ordensritter, um unsere Verluste auszugleichen. Die Infanterie war auf ein Drittel ihrer gesamten Stärke dezimiert worden. Sie brachten auch ein paar Bogenschützen und Pfeile mit.
Der Anführer der Odensritter machte einen verwegenen Vorschlag. Sobald die Chaostruppen angreifen würden, wollte er seine Abteilungen hinter den Hügel zurückziehen. Die Infanterie sollte sich noch weiter eingraben und die Bogenschützen Tot und Verderben über den Feind senden. Sobald er außer Sicht war, würde er versuchen den Feind rechts zu umgehen um ihn dann in der Flanke anzugreifen.
Es war ein großes Wagnis, denn wenn wir die Stellung nicht halten würden, dann wären unsere restlichen Truppen dem Feind preisgegeben.

Es war zwar riskant, aber wenn wir den Feind damit besiegen konnten, hätten wir einen Teil der Schlacht gewonnen und konnten die restlichen kaiserlichen Truppen unterstützen.
So machten wir uns dann daran, die Gräben tiefer auszuheben und ein jeder sprach seine letzten Gebete…dann kam der Feind.
Kurzum: Der Plan ging auf. Der gefiederte Tod erhielt wieder reichlich Ernte. Nach gut zwei Stunden kamen die Panzerreiter. Der Feind war indes kurz vor unseren Gräben angelangt und hatte begonnen, mit Armbrüsten auf unsere Truppen zu schießen. Die Wucht des Angriffs war überwältigend. Nach zwei weiteren Angriffen waren nur noch ein paar vereinzelte Chaoskrieger am Leben. Der Rest war hingemetzelt durch Schwerter, Lanzen und Pfeile. Es war ein vollkommener Sieg.

Nun ging es daran an den restlichen Truppen des Feindes in die Flanke zu fallen.
Nach der Kunde über den blutigen Verlust ihrer Truppen handelten die Chaostruppen immer verzweifelter und kopfloser. Es wurde ein Gemetzel sondergleichen. Nie habe ich so viel Blut gesehen, als in diesen Tagen.
Der Krieg fand letztlich sein Ende und ich konnte die Hälfte meiner Bogenschützen nach Maldoran zurückführen.

Kaum zurück, wurde ich zum Hochmeister des marturischen Ordens geführt. Wir kannten uns von so einigen Feldzügen und ich war ihm, dem Reich und dem Kaiser treu ergeben. Diese Treue wurde nun belohnt. Er gab mir eine Urkunde, die mich in den Adelsstand erhob.
Weiterhin gab er mir das Recht, südlich des Waldes von Selesp und der dadurch führenden Handelsstraße Land zu nehmen.
Die Elfen hatten sich vor Jahren in den Wald von Selesp zurückgezogen. Sie hatten zwar im Krieg auf unserer Seite gekämpft, aber so ganz traute man ihnen im Reich immer noch nicht.
Kaiser Aronus II hatte seinerseits in der dritten kaiserlichen Rechtsordnung den Elfen zum Dank einen festen Platz in der Völkerversammlung zugesichert.
Trotz alle dem war der Ordensmeister der Meinung, dass ein Kaisertreuer mehr im Süden nichts schaden könne und nur vorteilhaft für das Reich war.
Mir war es gleich. Ich hatte mehr erreicht, als ich je zu träumen wagte.
Voller Stolz zog ich mit einigen Getreuen von dannen und begann mein neues Leben.
Wir erreichten nach ein paar Tagesritten den Wald südlich der Handelsstraße. Dort bogen wir auf einen kleineren Weg Richtung Süden ab.

Nach zwei Tagen kamen wir zu einer kleinen Stadt Namens Südwacht. Dort rasteten wir erstmal und warben ein paar Abenteurer an. Wir befragten auch den einen oder anderen Einheimischen. Der Schultheiß der Stadt schlug uns vor, nach Westen zu ziehen. Im Westen mag Euch das Glück hold sein und Ihr werdet fruchtbares Land finden. Mit diesen Worten im Ohr zogen wir weiter.
Dem Weg folgend bogen wir nach Westen ab und nach einer weiteren Tagesreise verlief er sich. Auf einem Hügel angekommen sah man in der Ferne einen Fluss. Nach Norden hin erstreckte sich eine Hügellandschaft und am Horizont war ein Wald erkennbar.
Südlich von uns liefen die Hügel zu einer Ebene aus, die dann an einem Wald endete. Die Erde war fruchtbar und das Wetter angenehm.
Wir ritten weiter und kamen nach ein paar Stunden des Erkundens an dem Fluss an. Wir suchten uns eine Furt und ritten weiter in nord-westlicher Richtung. Am späten Nachmittag kamen wir an einem großen Hügel an. Auf ihm standen drei alte Linden.
Wir ließen uns nieder und bereiteten ein Nachtlager.
Nach dem Sonnenuntergang saßen wir bei Pökelfleisch und Bier zusammen und feierten.

Der rechte Ort war gefunden. Nur, wie sollte ich ihn nennen?
Da kamen mir die Worte des Schultheiß in den Sinn: Im Westen mag Euch das Glück hold sein und Ihr werdet fruchtbares Land finden...
Westen...Glück…hold…Westerhold? Westerhold! Von Westerhold! Das war es!
Ich hatte mein Land und ich nahm es in Besitz mit dem Namen Westerhold!
Dies war ein glücklicher Tag!

651 Heumond

Nachdem wir das Land erkundet haben, ließen wir uns östlich des Flusses nieder. Die Kunde, dass wir uns auf den Weg nach Westen gemacht haben, hat auch den einen oder anderen Siedler erreicht.
Mindestens ein Dutzend Familien kamen mit Wagen und Ihrer Habe nach Westerhold, um hier ein neues Leben anzufangen.
Sie leisteten mir einen Treueid und machten sich an die Arbeit ihre Häuser und Scheunen zu errichten. Das Frühjahr und den Sommer über wurde gebaut, gerodet und angepflanzt. Die Ernte fiel recht üppig aus, aber wir haben dennoch einiges an Nahrungsmitteln aus der Stadt kommen lassen.
Der Schultheiß Arthur Kriechbaum war mir mittlerweile ein guter Freund geworden.
Er erzählte mir, dass diese Stadt einst ein vorübergehendes marturischen Heerlager gewesen sei. Dies bestand mehrere Jahre und nach dem Abzug blieben einige zurück, weil sich mittlerweile eine kleine, eigenständige Stadt daraus entwickelt hat. Da niemand sich für die Stadt und deren Bewohner interessierte und das Land niemals offiziell zu Marturien gehörte, nannten sie die Stadt fort an Freistadt Südwacht.

Leider kam es hin und wieder zu Überfällen von fremden Söldnern. Die Anzahl der Wachen war den nicht ganz gewachsen und so unterstütze ich die Truppen der Stadt so gut ich konnte. Der Weg zwischen Westerhold und Südwacht lag fortan unter meinem Schutz.
Der Schultheiß ließ uns im Gegenzug alle erdenkliche Hilfe zukommen, die ihm möglich war.
So konnte ich nun im Herbst in mein bescheidenes Gutshaus einziehen.

Im Süden lag Rabeneck.

Arnulf von Klingenfels war der dortige Herr und wir haben uns schnell kennen und schätzen gelernt. Gemeinsam ritten wir immer wieder die uns unbekannte Gegend um mein neues Gut ab. Er erzählte mir von alten Schriften, die er einst gelesen hatte. Vieles sei in Vergessenheit geraten und wir sollten uns aufmachen, um Licht ins Dunkel zu bringen.

Ich nahm mir mehr Zeit dafür, als eigentlich gut war. Auf einem der Ritte entdeckten wir einen Ort. Anscheinend war er lange verlassen. Die Gebäude waren eingestürzt, aber unsere Neugier war entflammt…

 

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