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Das Jahr 676

 

Die sind die Aufzeichnungen von Osgar von Westerhold.

Im den ersten Tagen des neuen Jahres verstarb mein Vater.
Er ließ mich eines Morgens zu sich kommen und gab mir all die Pergamente, die er in den letzten Jahren geschrieben hatte. Viel hat er mir über Westerhold erzählt. Viele wirre Geschichten. Ich sollte in den Westen ziehen um dort weitere Antworten zu finden. Das Land muss sicher in die Zukunft gebracht werden. Warum soll ich nach Westen ziehen, wo doch der Osten noch nicht unter meiner Kontrolle ist? Letztlich hat er mich schwören lassen, dass ich gut über das Land und die Menschen herrschen soll. Natürlich würde ich das. So wie ich es für richtig halte.  
Nachdem er alles in seinem Sinne geregelt hatte, ließ er eine Kutsche kommen und wollte, dass er zu den drei Linden gebracht wurde.
Dort, mitten im Schnee, wollte er den Göttern begegnen.
Wir machten uns auf den Weg. Der letzte, den wir gemeinsam beschreiten sollten.
An den Linden angekommen verlangte er nach einem Rauchkraut, einem westerholder Bier und sah auf Land hinaus.
Er lächelte und sagte:

„Genieße jedes Bier und jedes Mal so, als ob es Dein Letztes wäre!
Dieses Land wird Dir alles geben was Du Dir erträumen kannst. Halte ihm nur die Treue!“

Danach schloss er die Augen und starb mit einem Lächeln im Gesicht.
Wir begruben ihn zwischen den Linden. Eine behauene Steinplatte kündet davon, dass dort ein Herr von Westerhold seine Ruhe gefunden hatte.
Ich hoffe, dass er in die Halle unserer Vorväter eingezogen ist. Dort werden wir uns eines Tages wiedersehen. So es der Wille der Götter ist.

Meine Hochzeit mit Tanora wird im Wonnemond stattfinden.
Es wird Zeit, da sie schon guter Hoffnung ist wie mir scheint.
Ich hoffe für uns, dass die Götter uns beistehen und wir einen gesunden Sohn bekommen. Im Herbstmond soll es soweit sein, wenn man der alten Frau aus dem Gut Glauben schenken darf. Wir werden sehen.

 

676 Weinmond

 

Am dreizehnten Weinmond schenkten uns die Götter unseren Sohn Marvin.
Er soll mein Erbe sein.
Die alte Frau aus dem Dorf schreckte bei der Geburt zurück, als sie sah, dass Marvin feuerrotes Haar hat.
Es wäre ein Zeichen für Feuer sagte sie. Ich kann nur lachen über solcherlei Aberglauben.
Er ist mein Sohn und er wird eines Tages der Herr über Westerhold sein. Welches Schicksal die Götter auch immer für ihn ausersehen haben. Er soll immer an Westerhold gebunden sein.

Die fremden Räuberbanden treiben weiterhin ihr Unwesen im Süden. Man hört von gebrandschatzten Höfen und Dörfern. Ich habe meine Truppe mit Bogenschützen verstärkt.
Die Wege nach Südwacht sind aber immer noch gefahrlos zu bereisen. Wir haben zwei von ihnen erwischt, als sie einem Händler aufgelauert haben.
Ihre Leiber hängen jetzt an einem Baum am Wegesrand als Mahnung für alle anderen, die sich nicht an den Landesfrieden halten.

Helmbrecht, der Schultheiß von Südwacht, hat immer größere Probleme, in der Stadt und auf deren Güter die Sicherheit zu garantieren. Ich werde meine Truppen weiter aufstocken und versuchen, die Stadt unter westerholder Verantwortung zu bringen.
Es ist niemand sonst da, der genug Truppen stellen kann. Mein Schwiegervater Wiegand ist derselben Meinung. Südwacht sollte ein Teil Westerholds werden. Aber dazu ist die Gefahr wohl noch nicht groß genug. Ich werde mich gedulden müssen. Irgendwann ist der rechte Zeitpunkt gekommen.

 

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