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Rabeneck

In der alten Zeit, in der das marturische Kaiserreich seine Macht nach Süden ausweitete, erwarb der Ritter Arnulf von Klingenfels im Jahre 637 ein kleines Stückchen Land südwestlich von Maldoran. Im Zuge der marturischen Eroberungen konnte er diesen kleinen Flecken Erde auf Dauer behaupten und gründete den Ort Klingenfels. Mit den Jahren konnte Arnulf weitere Gebiete in der näheren Umgebung für sich gewinnen.

Nördlich der Handelsstraße zwischen dem marturischen Maldoran und südlich gelegenen Dalmarn befand sich nun Ritter Arnulfs Land, welches erst in späterer Zeit urkundlich als Rabeneck erwähnt wurde. Der Ursprung dieses Namens ist heute nicht mehr nachvollziehbar

Im Norden und Western von Rabeneck gab es große Waldgebiete, die immer wieder Ziel von kleineren Expeditionen war. Arnulf war sehr darauf bedacht, genau zu wissen was um sein Land herum vor sich ging. Auch hatte er eine kaiserliche Urkunde, die ihm weitgehende Freiheiten in all seinem Tun und Handeln garantierte. Im Gegenzug verpflichtete er sich, dem Kaiserreich gegenüber all seine Informationen über die unbekannten Lande unverzüglich mitzuteilen und ein Drittel der eventuellen Gewinne daraus an das Kaiserreich abzuführen. Aufzeichnungen darüber sind wohl noch erhalten und befinden sich irgendwo in Klingenfels.

Immer öfters war auch ein gewisser Guntram Holwin bei Arnulf zu Gast. Guntram, ein Offizier und im Jahr 651 vom Kaiser zum Ritter geschlagen, hatte großes Interesse an den Ländereien im Westen. Bei vier urkundlich erwähnten Expeditionen war Guntram dabei. Die dritte dauerte über drei Monde und war die verlustreichste Unternehmung. Aufzeichnungen darüber gibt es nur noch wenige. Nur der Anfang der Reise wurde erwähnt. Alle weiteren Schriften konnten bis jetzt nicht ausfindig gemacht werden. Guntram und Arnulf freundeten sich mehr und mehr an und Guntram heiratete Arnulfs zweite Tochter.

Aufgrund vieler Verdienste erlangte auch Guntram die kaiserliche Erlaubnis Land südwestlich von Maldoran zu nehmen. Westerhold war von nun an der enge Freund und Nachbar Rabenecks.

In den folgenden Jahren begaben sich Guntram und Arnulf wieder und wieder auf Erkundungen gen Westen, die gefertigten Schriften darüber wurden seit langem nicht mehr aufgefunden.
Im Jahre 662 verstarb Arnulf. Arnulfs Erstgeborener, Herbert, brach sich bei einem Sturz vom Pferd während eines unbedeutenden Scharmützels das Genick. Sein zweiter Sohn Leobald, genannt der Dicke, erbte daher im Alter von 38 Sommern die väterlichen Ländereien.

Leobald behielt die freundschaftlichen Beziehungen zu Westerhold bei, kümmerte sich ansonsten aber nicht weiter um weitere Erkundungen gen Westen. Sein Augenmerk lag ehr auf kulinarischen Dingen. Leobald hatte die Tochter eines marturischen Ritters geheiratet und zwei Söhne mit ihr gezeugt. Bertold und Karl. Im kaiserlichen Jahre 667 verstarb Leobald mit gerad einmal 43 Sommern an einem Fieber.

Erbe sollte nun Bertold sein. Dieser bekam den Beinahmen der Milde. Laut Erzählungen aus dem Volk war er tatsächlich ein sehr milder Herr über Rabeneck. Dies wurde ihm im Jahre 669 zum Verhängnis. Sein Bruder Karl, der recht schnell als der Grauenvolle bekannt wurde, stellte sich nun immer wieder gegen den Bruder. An einem Abend im Julmond des Jahres 669 drangen Meuchelmörder in das Gemach Bertrams ein und schnitten ihm die Kehle durch. Karl trat umgehend als sein Nachfolger auf. Jeder, der Zweifel oder Anschuldigungen gegen ihn vorbrachte, wurde von Karls Kriegsknechten kurzerhand erschlagen. Die Mörder seines Bruders ließ er ebenfalls Hängen und vierteilen.

Als im Jahre 676 Guntram von Westerhold, mittlerweile Baron von Westerhold, verstarb und sein Sohn Osgar das Erbe antrat, erneuerte Karl zwar das Freundschaftsversprechen zwischen Rabeneck und Westerhold, hielt sich aber fortan zurück. Im Laufe der folgenden Jahre führte er ein immer strengeres Regiment in Rabeneck. Immer wieder wurden einfache Bauern der kleinsten Vergehen wegen gehängt oder gefoltert. Manchmal, so munkelten die Bauern, legte Karl selbst Hand an und tat sich wohl besser als der Henker hervor.

An seinem 27. Geburtstag, heiratete er die dritte Tochter eines verarmten Ritters aus Namador. Er zeugte mit ihr einen Sohn und eine Tochter. Die Tochter verstarb drei Tage nach der Geburt und die Mutter fand man einen Tag später tot in ihrem Bett. Ein reisender Bader behauptete später, sie sei vergiftet worden. Der Sohn, Adalbert, wuchs die ersten Jahre halbwegs behütet bei einer Amme auf. Im Jahr 780 hielt Karl einen Gerichtstag ab, der fortan als der Bluttag von Klingenfels bekannt wurde. Er ließ über dreißig Leibeigene foltern, hängen und vierteilen, weil sie sich angeblich gegen ihn aufgelehnt hatten. Drei Tage danach brach Karl zu einer Jagd auf. In einem Waldstück traf ihn der Bolzen einer Armbrust in den Rücken. Seine Kriegsknechte brachten ihn zurück nach Klingenfels, wo er nach einer Woche Siechtum starb.

Rabeneck atmete auf und der mittlerweile 17 Jahre alte Adalbert trat sein Erbe an. Als im Jahre 682 der Krieg in Westerhold ausbrach, unterstützte er zwar die westerholder Truppen, musste sich aber schnell zurückziehen, nachdem der Großteil seiner Kriegsknechte niedergemacht wurde. Am Ende des Krieges entging Klingenfels der Plünderung nur, weil man einen hohen Tribut zahlte.

Danach wurde es ruhiger um Rabeneck. Viele Menschen verließen die Baronie Westerhold nach dem Krieg und Adalbert ritt umgehend nach Kriegsende nach Steinsfurt. Dort ließ er Osgar und seine Frau unter den drei Linden, der traditionellen Grabstätte derer von Westerhold, begraben und zog sich nach Rabeneck zurück.
Adalbert heiratete eine junge, adelige Witwe und zeugte mit Ihr drei Kinder. Heribert, der erstgeborene Sohn starb im Alter von zwei Jahren an einem Fieber. Adele, das zweite Kind, heiratete einen begüterten Kaufmann aus Maldoran und starb bei der Geburt ihres ersten Kindes. Hartmut war das dritte Kind und wuchs wohl behütet in Klingenfels auf.

Im Laufe der Jahre hatte Adalbert mehrere Waffenschmiede nach Rabeneck geholt und betrieb einen regen Handel mit Schwertern und Rüstungen. Er betrieb eine kleine Eisenmiene und mehrte seinen Besitz.

Mitte des Jahres 703 wurde Adalbert kurz nach einer Jagd in den südlichen Sumpfgebieten krank. Fieber schüttelte ihn und am Anfang des Herbstmondes verstarb er. Sein Sohn Hartmut folgte ihm als Herr von Rabeneck.

Dieser Hartmut, genannt der Einfältige, war von schlichtem Gemüt und hatte keinerlei Interesse daran, Rabeneck weiter voranzubringen. Er begnügte sich damit, sein Land mit so wenig Aufwand wie möglich zu verwalten und verprasse ansonsten die gefüllten Kassen seines Vaters. Einzig für Bücher und alte Urkunden hegte er ein großes Interesse.

Als im Jahr 709 der Erbe Westerholds die Zügel in der benachbarten Baronie wieder in die Hand nahm, begab sich Hartmut für eine kurze Reise dorthin. Er erneuerte die Freundschaft zwischen Westerhold und Rabeneck und begab sich wieder zurück nach Rabeneck.
Im Laufe der folgenden Jahre studierte er all die Urkunden, die sich in der kleinen Kanzlei in Rabeneck befanden. Irgendetwas muss er dort entdeckt haben. Er ließ weitere Nachforschungen anstellen und zog sich immer weiter zurück. Einer der Schmiede bekam im Laufe des Jahres 713 einen alten Schild ausgehändigt, den er wieder herrichten sollte. Das Wappen darauf zeigte die verblassten Farben Westerholds. Auch sollte er noch ein wenig mehr hinzufügen. Im Volk munkelte man über dunkle Geheimnisse und alte Vorsehungen.

Anfang des Jahres 714 erkrankte Hartmut plötzlich. Sein Herz raste und stolperte angeblich und kein Bader oder Heiler wusste Rat. Er diktierte einen Brief und am achten Tage im Eismond 714 verstarb der letzte Erbe und mit ihm die Familie von Klingenfels.

Der Bote brachte das Schreiben nach Westerhold. Es besagte, dass Hartmut die Geschicke Rabenecks in die Hände des Barons von Westerhold legt. Diese machte sich umgehend auf den Weg nach Rabeneck und fortan wurde die neue Mark Rabeneck Teil der Baronie Westerholds.

Die Baronin selbst kümmert sich seitdem um die Geschicke Rabenecks persönlich.